#61 Joachim Nareike sucht das Gespräch mit Jochen Maas
Shownotes
Warum scheitert medizinischer Fortschritt in Deutschland oft an der Umsetzung? Prof. Dr. Jochen Maas spricht im FONDS professionell Podcast über Bürokratie, globale Abhängigkeiten – und warum Europa im Pharma-Wettbewerb zurückzufallen droht. Jetzt reinhören!
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00:00:02: Willkommen zum Vorprofessionell-Podcast.
00:00:05: Joachim Nareike sucht das Gespräch offen, direkt und immer nah dran.
00:00:13: Heute freue ich mich wieder ganz besonders auf meinen Gast.
00:00:16: Er bewegt sich seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Wissenschaft, Industrie und Gesundheitspolitik Dort wo medizinischer Fortschritt entsteht und globale Abhängigkeiten sichtbar werden.
00:00:26: Wir sprechen über aktuelle Forschung Den Einsatz von künstlicher Intelligenz Über Europa stärken und schwächen im globalen Wettbewerb, insbesondere was die Pharma-Industrien anbetrifft.
00:00:37: Und darüber wie gut wir für die medizinischen Herausforderungen der Zukunft aufgestellt sind.
00:00:43: Mein Name ist Joachim Leraike und ich suche heute das Gespräch mit Jochen Maas.
00:00:47: Herzlich willkommen über Jochen.
00:00:53: Ich bin total gespannt, weil es nicht mein Home-Turf ist wie man so schön sagt.
00:00:58: Und ich bin wahnsinnig neugierig und ich glaube das ist ganz sinnvoll wenn wir damit beginnen dass sie unseren Zuhörern einfach mal kurz schildern was sie im Moment besonders umtreibt in welchem Bereich sie auch tätig sind und dann steigen ein bisschen die Verein.
00:01:12: Im Moment treiben mich zwei Sachen um, wie soll ich sagen nationale und eine internationale.
00:01:18: Die Nationale ist die Tatsache dass wir es in Deutschland Speziell in Deutschland, ein bisschen auch in Europa.
00:01:26: Dass die Translation aus der Grundlagenforschung in die angewandte Forschung und dann in die Innovation nicht so funktioniert wie in anderen Ländern, wie in China oder USA.
00:01:38: Das ist das internationale Problem im Moment ist glaube ich bei allen egal aus welcher Branche Donald Trump mit seinen jetzt Ankündigungen vor allem für den Pharma-Bereich, die eben am Ende in zweierlei Hinsicht auch für europäische Patienten bedeutsam sein werden.
00:02:01: Zum einen was die Preispolitik angeht das vielleicht innovative Arzneimittel überwiegend in USA zugelassen wird und zum zweiten dass er einen Gesundheitsminister eingesetzt hat, der schlicht und ergreifend wissenschaftliche Tatsachen negiert.
00:02:18: Und das kann eigentlich nicht sein.
00:02:20: Oh okay!
00:02:21: Ich glaube wir haben alle von Canonies seinen Namen.
00:02:24: Auf den kommen wir vielleicht später nochmal kurz zu sprechen.
00:02:27: Gehen wir mal vom ersten Punkt aus, der sie umtreibt?
00:02:30: Und versuchen wir es mal ein bisschen auseinanderzunehmen... Die medizinische Forschung.
00:02:35: heute findet mich mehr in Deutschland statt oder
00:02:38: doch?!
00:02:39: Die medizinische Forschung findet in Deutschland statt.
00:02:42: Deutschland ist auch nach wie vor hervorragend, wenn es um Publikationen, Patente etc.
00:02:49: geht.
00:02:50: was in Deutschland das große Problem ist die Überführung der Grundlagenforschung in die Anwendungen.
00:02:57: Viele auch akademische Kollegen denken immer am Ende ein Paper in Nature.
00:03:07: der Adels-Titel für einen Wissenschaftler, wenn er dort publizieren darf.
00:03:11: Viele akademische Forscher denken ein Nature Paper wäre eine Innovation weit gefehlt.
00:03:17: Ein Nature Paper ist ein Erkenntnisgewinn aber um einen Erkenntnissgewin in eine Innovation zu überführen braucht es ein Produkt das am Ende beim Patienten ankommt und Paper kommt nicht beim Patienten an.
00:03:34: Da muss dann noch vieles hinterher passieren, um bei den Patienten anzukommen und ich gebe Ihnen ein für mich ganz klassisches Beispiel einer modernen Wissenschaft.
00:03:47: Wir sind in Deutschland was die Grundlagenforschung im Bereich Gentherapie angeht eine der großen Zukunftsfelder Weltspitze.
00:03:56: wir sind mindestens genauso gut wie USA und China eher besser im Bereich Gentherapie.
00:04:06: Und wenn es in die Anwendung geht, wenn also die ersten Gentherabien am Patienten erprobt werden dann gibt es im Moment über hundertseizig klinische Studien und da finden ninety vier Prozent den USA und China statt.
00:04:20: das ist der Punkt dass diese Translation in anderen Ländern besser funktioniert als bei uns und das erste Beispiel davon des hat jeder irgendwo im Hinterkopf, war damals der MP-Triplayer.
00:04:33: Und das ist so eine deutsche Krankheit?
00:04:36: Lass uns da reingehen weil es wirklich spannend ist und für viele Menschen auch gar nicht so wirklich greifbar, weil wir natürlich nicht in den Batterien drinnen sind.
00:04:45: ich versuche noch mal mit meinen Worten zu nochmal aufzugreifen.
00:04:49: Nature sagen sie ist das Grunde der Goldstandard der Publikation für medizinische Forschung Und das ist aber tatsächlich nur die Forschung, es ist noch nicht die Anwendung in der Praxis.
00:04:59: Genau!
00:05:00: Jetzt sagen Sie, wir sind jetzt bei einem Erfolgs- medizinischen Forschungsfeld statt.
00:05:05: Umsetzung erfolgt aber nicht hier, weil wir dann diese Anwendungen auch in der Testphase nicht machen.
00:05:12: Warum?
00:05:16: Ich gebe Ihnen nur das Beispiel der klinischen Studie, weil ich mich da vorher ja drauf bezogen habe... Deutschland war über Jahrzehnte lang Nummer zwei, was klinische Studien angeht weltweit.
00:05:27: Die USA war immer unanholbar, Nummer zwei war immer deutschland und dann kamen viele andere Länder UK, Europa, Spanien, China etc.
00:05:35: Was
00:05:35: ist die klinischen Studie?
00:05:36: Klinische Studie
00:05:37: ist die Anwendung eines neuen Prinzips, eines potentiellen neuen Medikamentes am Patienten.
00:05:45: Da gibt es verschiedene Stadien Phase I, Phase II, Phase III ganz vereinfacht gesagt Phase I gesunde Freiwillige wirds gut vertragen
00:05:53: etc.,
00:05:54: Phase II erstmals mit dem Medikamente an Patienten und Phase III dann ganz breite Anwendung dieser gelassenen Ärzten nicht nur in klinischen Umfeld.
00:06:07: Und diese klinischen Studien, da war Deutschland Vize-Weltmeister über Jahrzehnte.
00:06:12: In der Zwischenzeit sind wir runtergerutscht auf Position sieben.
00:06:16: Spanien ist an uns vorbeigezogen, UK ist an Uns vorbeigezogen, Frankreich, China.
00:06:21: Warum?
00:06:22: Weil wir in Deutschland – wenn Sie eine klinische Studie beantragen – vierundfünfzig Ethikkommissionen und siebzehn Datenschutzbeauftragte
00:06:31: hatten.".
00:06:33: Sind das reale Zahlen?
00:06:34: Das
00:06:34: sind reale Zahlen.
00:06:35: Vierundfünfzig-Edie-Kommission und siebzehn Datenschutzbeauftragte, und versuchen Sie damals eine nationale Studie durchzubringen.
00:06:43: Sie müssen mit jedem extra reden!
00:06:46: Und da hat aber – und das muss ich jetzt tatsächlich auch sagen – da steht im neuen Koalitionsverbrauch drin, dass sich das ändern muss.
00:06:55: Also man ist im Moment tatsächlich dabei, Standardverträge zu entwerfen.
00:06:59: Die Datenschutzrichtlinien zumindest so zu machen dass sie nicht föderal völlig unterschiedlich sind.
00:07:05: Letztendlich unterliegen wir alle der europäischen Datenschutzzugundverordnung.
00:07:09: und last but not least auch die Ethik-Kommissionen so zu priefen das es eben ja wenige gibt und keine fifty vier.
00:07:17: und das Beispiel für Deutschland ist Spanien.
00:07:21: Spanian hatte hat ein ähnliches föderales System wie Deutschland.
00:07:25: Also Galizien ist anders als Katalonien etc.
00:07:29: Die haben Einheitsverträge eingeführt, die ganzen Prozesse vereinheitlicht und sind schlagartig an Deutschland vorbeigezogen.
00:07:36: Und diese Ansätze, sprich ja immer von den berühmten Rahmenbedingungen brauchen wir unbedingt auch
00:07:45: Wenn ich das wichtig verstehe würde natürlich... ohne eine klinische Studie in diesen drei Phasen, bei einem Medikament niemals an
00:07:53: Kaufbar
00:07:54: sein.
00:07:55: Das hört sich aber doch schon sehr danach an dass wir übertöten an der einen oder anderen Stelle?
00:08:00: Ja also gerade bei den ganzen... Also verstehen Sie mich nicht falsch ich möchte nicht Die Standards, die für klinische Studien gelten ändern.
00:08:11: Also ich möchte auch das Empionenschutzgesetz nicht ändern oder sowas.
00:08:15: Das ist völlig okay, dass wir das so machen.
00:08:17: Wir müssen nur von der Bürokratie wegkommen.
00:08:19: Die Bürokratei, die dahinter steckt, was weiß ich wie viele Leute damit beschäftigen?
00:08:25: Was weiß ich, wie viel Genehmigungen brauchen
00:08:27: etc.?
00:08:28: Es gibt eine schöne Zahl vom Verband der forschenden Arzneimittelhersteller Wie lange es dauert wenn man eine Genehmigung stellt um eine klinischen Studie zu... machen in Deutschland und beispielsweise in Frankreich.
00:08:40: In Frankreich dauert es zu achtunddreißig Tage, in Deutschland zweihundertfünfundachtzig.
00:08:44: Da können Sie sich überlegen wo eine große Firma hingeht wenn sie so eine Studie machen will?
00:08:49: Nun das ist ja ganz spannend weil wie gesagt das ist überhaupt nicht mein Fachgebiet.
00:08:52: man hört natürlich immer wieder so Fragmente.
00:08:55: Es sind total spannend dass man das jetzt auch wirklich an den Praxisbeispielen nennt Und ich versuche das noch mal in die Wirtschaft umzusetzen.
00:09:03: Punkt und Fakt ist, wenn wir der Forschung gut sind.
00:09:06: Das ist toll weil das die Ausgang von allem ist.
00:09:09: Wenn wir aber es dann nie in die Anwendung bringen werden wir damit ja kein Geld verdienen.
00:09:14: Dann gibt man sehr viel Forschungsgelder aus ohne am Ende einen Benefit für den Zeitraum.
00:09:19: Okay habe ich richtig verstanden dass die Wertschöpfung wird bereist irgendwann ab und die Skalierung oder die Materialisierung dieser Erkenntnisse wo wir wirklich Weltklasse sind wie Sie sagen Haben wir eigentlich im Endeffekt nicht mehr viel davon?
00:09:32: Ja, wenn dann letztendlich die ganzen Medikamente in China oder USA zugelassen werden.
00:09:42: Wenn dann die entsprechenden Firmen in den USA sitzen, dann fallen natürlich auch die Gewinne dort an!
00:09:50: Das heißt, der Benefit am Ende.
00:09:52: Und dann fallen auch solche Sachen wie Gewerbesteuer
00:09:56: etc.,
00:09:57: eben auch nicht in Deutschland an und leiten wieder die Hallenbäder in den Städten.
00:10:01: also das hängt schon tatsächlich alles zusammen.
00:10:04: Wenn wir im medizinischen Bereich bleiben, hängt es natürlich auch damit zusammen dass ich verkürze jetzt ein bisschen die Medikamente die wir maßgeblich erforscht haben woanders produziert.
00:10:15: verkauft werden Wir, die natürlich dann nicht mehr bei uns haben und auch auf den Import-Design gewiesen sind.
00:10:22: Da schießt sich wieder der Kreis zum Hustensaft von den Kindern und dem Themen.
00:10:28: Man muss zwei Dinge unterscheiden.
00:10:29: Das eine sind die sogenannten Generika.
00:10:34: Die Arzneimittel, die schon jahrelang auf Markt sind, die aus dem Patent gelaufen sind... ...die in Anführungszeichen fast nichts mehr kosten.
00:10:42: Also die Aspirinens und Paracetamolz dieser Welt Die wurden aus reinen Kosten gründen, was die Produktion angeht.
00:10:53: Ja vor allem nach Südostasien verlagert weil es da wirklich auf jeden Cent letztendlich ankommt.
00:11:00: und dann ist nun zweites passiert.
00:11:02: in Südorstasien hat auch noch eine Konzentration gegeben.
00:11:05: Da haben dann bestimmte Vorstufen nicht fünf Föhrn hergestellt sondern am Ende nur noch eine.
00:11:10: Und wenn es in dieser einen Firma gebrannt hat, dann gab's die Vorstufe nicht mehr.
00:11:14: Dann gab's kein Piparazilien in ganz Europa mehr und deswegen da ist die Politik auch aufgewacht.
00:11:21: ich persönlich halte es aber für blauäugig zu denken wir würden diese Generikaproduktion wieder nach Europa zurückbekommen.
00:11:30: Ich glaube der Zug ist abgefahren, aber und das ist mein wichtigster Punkt wir müssen aufpassen dass uns derselbe nicht wieder passiert mit den innovativen Arzneimitteln also die innovatifen Arznei-Mittel die heute noch patentgeschützt sind.
00:11:44: da werden immer noch achtzig Prozent in europa produziert.
00:11:48: wenn wir da aber auch wieder den Fehler machen nur auf die Kosten zu gucken ein auf nichts anderes nur auf Dann laufen wir vielleicht bei einer innovativen Arzneimittel in fünf, sechs Jahren.
00:11:59: In genau das gleiche Problem wie bei den Generika.
00:12:02: Und glauben Sie nicht dass die Chinesen nicht genauso gut innovative Arzneimmittel herstellen können?
00:12:07: Wie die Deutschen?
00:12:07: also diese auch ganz.
00:12:08: das können sie nicht.
00:12:10: Die können wir uns schon lange nicht mehr leisten.
00:12:12: und deswegen im Moment Hauptagent Merkel gibt die innovatifen Arzneinmitteln net auch noch nach draußen.
00:12:18: und seid euch bewusst, dass in Gottes Namen Lieferfähigkeit halt ein paar Cent kostet.
00:12:23: es sind wirklich nur Cent.
00:12:25: Gute Appell, wichtige Appell um das zu verstehen wer denn da an den Entscheidungshebeln sitzt.
00:12:32: Mit welchen politischen Gewerken hat man es denn dazu tun?
00:12:36: Ist es das Gesundheitsministerium?
00:12:38: ist es das Wirtschaftsministerium?
00:12:40: is es vielleicht sogar das Außenministerium?
00:12:43: wie kann ich mir das vorstellen?
00:12:45: ein wunderschönes Stichwort und zwar deswegen weil der große Unterschied in USA und in Europa ist tatsächlich, dass wir in Europa mindestens drei Ansprechpartner haben.
00:13:00: Eins BG, Ansprech-Partner zwei BMFTR, Ansprechpartner drei Wirtschaftsministerium.
00:13:07: Manchmal auch noch Außenministerium, aber das ist geringfügig.
00:13:10: Aber wir haben mindestens die drei Ansprüche.
00:13:11: Also
00:13:11: BMG ist Gesundheitsministerium?
00:13:13: Lundheitsministerium Forschungsministerium und Wirtschaftsministerium.
00:13:17: In den USA wird es gemanagt über sogenannte Agenturen.
00:13:21: Das heißt, da hat auch ein Start-up das jetzt am Ende ein neues Medikament zumindest in die klinische Prüfung bringen will.
00:13:30: Einen Ansprechpartner und nicht drei!
00:13:32: Und bei uns – das ist auch so ein Bürokratiemonster – da hat man jetzt versucht in Deutschland tatsächlich auch eine Agentur zu kunden.
00:13:42: Das ist die Agentur für Sprunginnovationen.
00:13:44: Die ist gekündet heisst Sprint mit D ich hinten sprint und die ist sehr wirkungsvoll.
00:13:52: Also, ich habe neulich einen Vortrag dieses Instituts gehört und die haben es tatsächlich geschafft.
00:14:00: Die haben natürlich auch KPI's und eine ihrer KPI'S ist der Eingang eines Antrags auf Förderung finanzielle Unterspitzung bis zur Auszahlung des Geldes.
00:14:12: Die haben auch angefangen mit hunderten von Tagen, die sind in der Zwischenzeit bei einem KB von zwölf Tagen.
00:14:19: In Deutschland zwölft Tage von einem Antrag bis zur Auszahlung des Geldes ist doch fast undeckbar.
00:14:25: Das
00:14:27: wäre mal eine Geschwindigkeit, die wir brauchen!
00:14:30: Das wird fast was für die Tagesschau, würde ich sagen.
00:14:33: Und das ist jetzt auch den zuhörigen KPI's Key Performance Indicator also quasi eine Messgröße an dem es sich orientieren soll um das Ziel, was man erreicht.
00:14:44: und wenn man das erreicht hat, dann ist man gut.
00:14:49: Das ist das Ziel tatsächlich von dieser Agentur?
00:14:53: Ich weiß nicht, was ihr Ziel war.
00:14:55: Das Ziel ist natürlich so kurz wie möglich aber ich war völlig passt über diese zwölf Tage.
00:15:01: Das hätte ich Deutschland nicht zugetragen.
00:15:03: Nein, da bin ich voll bei Ihnen.
00:15:05: Ich freue mich immer, weil ich kundoptimistisch bin und wenn ich dann so optimistische Beispiele höre, freu' ich mich tatsächlich auch wirklich wie ein kleines Kind, denn ich weiß, wir können was!
00:15:14: Und auch wenn ich höre dass knapp ninety-fünf Prozent aller Forschungen auch hier stattfinden, haben wir ja schon mal den wichtigsten Teil eigentlich noch bei uns.
00:15:23: Wissen Sie?
00:15:24: Das ist so unverständlich.
00:15:25: Nicht falsch.
00:15:27: Die Forschung.
00:15:29: jetzt auf mein vorheriges Beispiel zurückzukommen Gen-Technologie, die findet ungefähr gleich statt in USA, China und Deutschland.
00:15:37: Also jeder ungefähr ... aber
00:15:41: wir haben noch was!
00:15:42: Aber die Klinik ist dann eben nicht mehr in Deutschland, sondern da kommt die ninety-vier Prozent her.
00:15:48: Wir haben noch etwas, wir haben das Asset, wir auch die Köpfe.
00:15:51: also ich versuche der Politik immer klar zu machen Leute Biotechnologie ist der Wirtschaftszweig, der Deutschland aus dem wirtschaftlichen Tiefholen kann.
00:16:02: Warum?
00:16:02: Aus fünf Gründen!
00:16:03: Erstens Wir brauchen keine Milliarden-Subvention.
00:16:06: Lilly investiert zwei Komma drei Milliarden in Rheinland-Pfalz ohne eine einzige Subvention.
00:16:12: Zweitens wir brauchen keinen natürlichen Rohstoffe.
00:16:15: Wir brauchen einen seltenen Erden oder sonst irgendwas.
00:16:18: Drittens was viele Leute mit wissen die Biotechnologie ist relativ energie sparsam.
00:16:24: Mit anderen Worten, der CO²-Verbrauch per Euro Wertschöpfungskette ist mit am geringsten.
00:16:29: Wir sind keine Chemie!
00:16:31: Viertens, wir haben noch Grundlagenforschung die richtigen Köpfe in Deutschland.
00:16:36: und fünftens – wir bieten extrem hochwertige Arbeitsplätze.
00:16:41: Und was mich so ein bisschen umtreibt, ist die Politik redet über Stahl und Autos.
00:16:49: etwas mehr über Biotechnologie zu reden, täte uns in die Zukunft blicken.
00:16:54: Nun Herr
00:16:55: Maas, wir sind ja quasi unter uns.
00:16:57: Kann das was mit Lobbyarbeit zu tun haben?
00:16:59: Ich weiß es nicht!
00:17:00: Ich kann natürlich nachvollziehen dass ungeheuer viele Arbeitsplätze im Bereich Automobilindustrie tatsächlich auf dem Spiel steht.
00:17:09: Auf der anderen Seite müssen wir den Kopf haben in Gesamtdeutschland die Gesundheit Industrie die Gesundheitswirtschaft insgesamt hat mehr Arbeitskräfte als die Automobil-Industrie.
00:17:19: also und ich persönlich glaube eben weil ich bin jetzt überhaupt kein Experte, was Autos etc.
00:17:31: angeht aber ich habe mir zumindest tagesschaumäßig informiert meine Zweifel dass wir in der Elektromobilität den Anschluss an China noch finden und die Elektromobilität wird die Zukunft sein da bin ich sicher.
00:17:44: Ich glaube da gibt es tatsächlich keine zwei Meinungen.
00:17:47: Was ich besonders spannend finde, ist natürlich dass wir auch alle permanent über den demografischen Wandel sprechen in Deutschland.
00:17:53: Das bedeutet spätestens da müsste man eigentlich verstehen das alles was mit Gesundheit, Gesundheitsvorsorge, Pflege, Alles was diesen Bereich umfasst eine absolute Zukunft.
00:18:04: Ja absolut.
00:18:05: und was wir ja erstreben sollten.
00:18:10: Ich bin immer so ein bisschen hässig zögerlich, was diese Longivity-Diskussion angeht.
00:18:16: Also muss ich das schon eher eine philosophische Frage?
00:18:20: Wollen wir wirklich fünfhundert Jahre alt werden und ja also aber... als Ziel haben müssen.
00:18:29: Es kann nicht unbedingt alt werden, das Ziel muss sein gesund allzuwerden.
00:18:33: Das heißt sie können achtzig neunzig fünfneinzig Jahre werden und bleiben gesund weil wenn man unser Gesundheitssystem anguckt am teuersten sind die letzten drei Lebensjahre der Menschen.
00:18:44: Das ist in der Tat so, ich habe da wirklich eine total interessante Geschichte mal gelesen dass wir siebzig Prozent, ne, ich entschuldige, neunzig Prozent der Gesundheitsausgaben unseres kompletten Lebens also von der Wiege bis zur Baare haben wir in den letzten sechs Monaten glaube ich, das war dieses Jahr ein absoluter Wahnsinn
00:19:01: und man
00:19:02: weiß halt nur nicht wann die letzten sechs Monate sind sonst könnten wir das verhindern oder?
00:19:06: Und das zweite auch für mich eine ganz ganz interessante Zahl ist wenn man unsere gesamten Gesundheitskosten anschaut geben wir über achtzig Prozent für Therapie aus und nur zehn Prozent für Prävention.
00:19:18: eigentlich müsste es andersrum sein.
00:19:20: Es gibt natürlich Parallelen auch beispielsweise zu Bildung.
00:19:24: oder man sagt ja immer jeden Euro den ich in Bildung stecke, denen spare ich dreimal auf dem Weg später ein.
00:19:30: das ist schon verrückt dass man das irgendwie so wenig Erkennt oder erkennen werden es wahrscheinlich sehr viele Menschen, aber dass man dann auch die Umsetzung, das man da so behebig und so schwierig ist.
00:19:39: Ja
00:19:40: und es sind natürlich auch unterschiedliche Zeithorizonte.
00:19:43: also ich habe ja jahrelang eine Forschungs- und Entwicklungsgruppe geleitet und wenn ich bei uns in der Geschäftsführung saß, dann gibt's natürlich auch den CFO.
00:19:59: Aber der CFO ist interessiert an den nächsten Quartalszahlen.
00:20:03: Wenn Sie Pharma-Forschung machen, sind sie interessiert bei den Quartalzahlen im Jahr zwei Tausendfünfunddreißig, weil die Wertschöpfungsketten bei uns in zehn bis fünfzehn Jahre lang sind.
00:20:13: und die Forschung steht halt ganz am Anfang.
00:20:15: Und dann einem CFO, der an den nächsten Quartalszahlen interessiert ist zu erklären warum wir jetzt unbedingt in ein spezifisches Equipment oder sonst was investieren sollen das sich aber vielleicht erst in fünfzehn Jahren auszahlt ist manchmal eine harte Diskussion.
00:20:32: Ich kann es mir bittig vorstellen.
00:20:34: dazu muss man auch noch mal erklären dass ein CFO natürlich nicht nur selbst für sich daran interessiert ist, sondern weil er natürlich in aller Regel seinen Shareholdern, die Aktionären sagen muss pass auf.
00:20:45: Wir sind ja auf einem richtig guten Weg und die letzten drei Monate haben wir das schon gemacht.
00:20:49: Ich glaube es ist natürlich langfristige Ziele mit kurzfristigen Schritten zu erreichen ist total schwierig und drückt eigentlich auch schon einen interessanten Spannungsbogen aus dem man da so hat.
00:21:01: Verraten Sie mir doch mal Ich habe ja auch Herrn Lauterbach als Gesundheitsminister immer.
00:21:07: Ich fand es zumindest gut, dass ein Arzt Gesundheitsminister wird.
00:21:11: Das hatten wir damals schon mal mit Herrn Rösler wenn Sie sich erinnern.
00:21:14: Der war allerdings kein Gesundheitsminister und ich glaube der war auch Wirtschaftsminister.
00:21:19: also wir hatten aber das war so spannend dass jemand Arzt ist aber kein Gesundheitsminister.
00:21:25: Er war Wirtschaftsminister und ein anderer FDPler war Gesundheitsminister, weiß ich aber jetzt fällt mir der Name nicht mehr ein.
00:21:32: Das ist schon
00:21:34: eine ganze Zeit her.
00:21:35: also ich habe mich total gefreut dass jemand der aus dem Fach kommt diesen Mysterium
00:21:41: leidet
00:21:41: und lenkt und er muss doch diese Dinge kennen.
00:21:45: eigentlich schon ja
00:21:46: aber dann wird sehr oft zwischen Erkenntnis und Handlung gibt es dann oftmals Schwierigkeiten, weil das einfach so kompliziert ist.
00:21:54: Dass man es auch schwierig umsetzen kann?
00:21:56: Es sind zwei Sachen zum einen.
00:22:01: Es ist komplex aber es sollte nicht kompliziert sein.
00:22:05: die zwei Ausdrücke muss man meines Erachtens sehr deutlich trennen.
00:22:08: Komplexität ist nichts Schlimmes.
00:22:10: Das Leben ist komplex.
00:22:12: Die Biologie ist in Gottes Namen komplex da kommen wir umhin.
00:22:16: Wir sollten sie nur noch kompliziert machen und die Politik macht es manchmal kompliziert, da kommt ein ähnlicher Aspekt auch zum zu tragen den ich gerade mit den Zeithorizonten schon mal angesehen habe weil Politiker in Legislaturperioden denken Und eben nicht in Zeiträumen von F&E oder von der Wertschöpfungskredite, die zehn bis fünfzehn Jahre lang ist.
00:22:42: Nach vier Jahren muss ich wieder gewählt werden und dann eine unpopuläre Entscheidung zu treffen ist relativ schwer.
00:22:48: In Deutschland noch schwerer weil ja im Prinzip immer!
00:22:53: irgendwo in irgendeinem Bundesland eine Wahl ist, die abends wieder vertreten werden muss.
00:22:58: In der politiker-elefantenrunde
00:23:00: etc.,
00:23:01: also aus diesem Dauerwahlkampf kommen Politiker ungeheuer schwer raus.
00:23:07: Nichtsdestotrotz fand ich es auch gut dass ein Arzt und auch Wissenschaftler tatsächlich das Ministerium geleitet hat.
00:23:17: Wie er es geleitet hat, ist natürlich auch ein Riesenverwaltungsaufwand.
00:23:21: Er hatte über tausend Mitarbeiter
00:23:22: etc.,
00:23:23: das kann ich nicht beurteilen.
00:23:24: aber von seinem Background her finde ich war es schon gut dort so jemanden einzusetzen.
00:23:32: versteht Nun und Politiker, nicht nur in Legislaturperioden wie sie sagten auch im Landtags- und Kommunalwahlen.
00:23:39: Und natürlich auch im Politbarometer.
00:23:44: Das kann natürlich dann in den Long Run wirklich nur schwierig gut gehen.
00:23:48: Es ist ein total spannendes Feld.
00:23:51: Ich will es versuchen nochmal zusammenzufassen und auch dass wir den Hörer noch mal sagen Auch ganz deutlich sagen Wir sind Freunde von allen Industrien die in Deutschland beheimatet sind.
00:24:02: Wir scheinen ein bisschen an der Pharma und Biotechnologie vorbei zu regieren.
00:24:06: Und das vorbeizuschauen hat aber die wahnsinnigen Vorteile, die sie gerade so eindrücklich auch geschildert haben weil diese fünf Vorteile die Sie genannt haben nun das muss ja im Primatre stehen also dass es wirklich etwas ist was alle momentanen Befindlichkeiten auch so ein bisschen abholend und das finde ich schon auch sehr spannend Können Sie mir eine Hoffnung geben, dass es Projekte gibt?
00:24:32: Ich
00:24:33: gebe Ihnen eine Hoffnungsschimmer und das ist der, dass die aktuell arbeitende Koalition die Zeichen der Zeit erkannt hat.
00:24:43: Die aktuelle Koalition hat ja fünf oder sechs Forschungsfelder identifiziert, indem er intensiv reingehen will.
00:24:51: Da gehört KI dazu, da gehört nach wie vor Mobilität dazu, aber auch Biotechnologie dazu.
00:24:57: Das ist schon mal ein sehr großer Hoffnungsschimmer und die Bundesforschungsministerin, also die Dorothea Baer hat es auch zu einem Hauptasset in ihrem Haus gemacht.
00:25:11: Also ich glaube die Politik ist aufgewacht.
00:25:13: Aber da muss man dann auch wieder sagen Es reicht nicht, irgendwas auf dem Papier festzulegen.
00:25:20: Sondern ein ehemaliger Chef hat mir gesagt, Implementation is a key!
00:25:24: Die Umsetzung macht's und nur auf den Papier hilft zum Sex.
00:25:28: Wir müssen es so schnell wie möglich umsetzen.
00:25:31: Und da vielleicht noch einen Abschlusssatz was mich auch sehr positiv stimmt weil wir mit der Gentherapie angefangen haben.
00:25:38: Deutschland hat es geschafft in einer Kollaboration zwischen Charité, Bayer also Akademie und Privatwirtschaft und dem Berlin Institute of Health, also auch nochmal Akademie ein Zentrum zu schaffen für Zell- und Gentherapie das jetzt in Berlin gebaut wird.
00:26:01: Und wir haben lange gekämpft mit der Politik, ob das in Deutschland machbar ist etc.
00:26:06: Aber diese konzertierte Aktion zwischen der angewandten Forschung Bayer und zwischen der akademischen Forschungscharité die trägt erste Früchte und so müssen wir weitermachen nicht nur im Feld der Gentherapie sondern vielen anderen auch.
00:26:20: Haben Sie auch Hoffnung?
00:26:21: ein tolles Beispiel?
00:26:22: Vielen Dank dass sie uns dieser Hoffnung geben und mitgeben.
00:26:26: gibt es auch Anhaltspunkte dafür, dass wir die Köpfe weiter behalten.
00:26:31: Weil ich habe auch immer ein bisschen die Befürchtung, dass die Köpfel so ein bisschen dann abwandern weil es eben woanders gemacht werden kann.
00:26:40: Das sieht im Moment gut aus.
00:26:41: Warum sieht's gut aus?
00:26:44: Es will niemand mehr nach USA und früher haben wir vor allem nach USA den besten Köpfer verloren.
00:26:51: Es gibt sogar einen Trend dass amerikanische Wissenschaftler nach Europa wollen.
00:26:56: Das heißt noch lange nicht, dass sie nach Deutschland wollen.
00:26:59: da gibt es auch Sprachbarriere
00:27:00: etc.,
00:27:01: also UK ist schon sehr beliebt.
00:27:03: aber wir sehen tatsächlich eine Chance einen Braindrain denn wir über Jahrzehnte hatten im Moment in einem Brain Gain umzuwandeln und das wäre schon mal sehr positiv.
00:27:16: Und du wirst doch, dass da Menschen dran arbeiten aktiv?
00:27:18: Ja ja, also Max Blank beispielsweise hat ein offizielles Programm dafür und andere Organisationen auch.
00:27:24: Perfekt!
00:27:25: Dann haben wir heute eine Zukunftsbranche kennengelernt die zwar jeder irgendwie kennt aber noch nicht weiß wie wichtig sie wirklich werden kann.
00:27:32: Wir haben ganz bewusst nicht mehr über den Gesundheitsminister der USA gesprochen, weil wir glaube ich gerade so einen optimistischen Zungenschlag bekommen haben.
00:27:38: Den sollten wir uns beibehalten!
00:27:40: Ich bedanke mich recht herzlich dass Sie uns dieses für viele fremde Segmenten ein bisschen näher gebracht haben.
00:27:46: Sehr verständlich habe eine Menge gelernt.
00:27:48: das freut mich und danke für Ihre Zeit.
00:27:50: Es hat ganz viel Spaß gemacht, ganz herzlichen Dank Ihnen Danke schön.
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