#49 Joachim Nareike sucht das Gespräch mit Karl Theodor zu Guttenberg

Shownotes

Ex-Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg blickt im aktuellen FONDS professionell Podcast auf politische Verantwortung, Scheitern als Lernprozess und den Mut zum Risiko. Ein Gespräch über Investitionen, Mindsets, Medien, Gesellschaft – und warum Europa jetzt umdenken muss. Jetzt reinhören!

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00:00:03:

00:00:13: Heute freue ich mich wieder ganz besonders auf meinen Gast.

00:00:16: Er hat politisch Verantwortung auf höchster Ebene getragen in unterschiedlichen Rollen und sehr unterschiedlichen Zeiten.

00:00:23: Viele verbinden seinen Namen vor allem mit der Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

00:00:27: Dabei war er zuvor auch Wirtschafts- und Technologienminister.

00:00:30: Heute sprechen wir mit etwas Abstand über diese politischen Jahre, über Verantwortung, über Perspektivwechsel und über seine heutigen Tätigkeiten, auch jenseits eines politischen Amtes.

00:00:41: Mein Name ist Jachen Nareike und ich suche heute das Gespräch mit Karl Theodor Zugunberg.

00:00:46: Herzlich willkommen, lieber Karl Theodor Zugunberg.

00:00:48: Herzlichen Dank für die Einladung, Herr Nareike.

00:00:51: Erst mal natürlich die Frage.

00:00:53: Wo stehen Sie heute?

00:00:54: Was machen Sie heute?

00:00:56: Wo befinden Sie sich überwiegend auch geografisch?

00:00:59: Was ist so die Sache, die Sie tagtäglich umtreibt?

00:01:03: Also im Herzen befinde ich mich wahrscheinlich in der gelassensten und ausbalanciertesten Phase meines Lebens.

00:01:09: Geografisch ist es etwas schwieriger zu zuordnen, weil ich ein Wanderer zwischen den Welten geblieben bin und tatsächlich nach zehn Jahren USA, vor etwa drei Jahren wieder nach Europa zurückgekehrt bin.

00:01:21: Aber immer noch zwei, drei Monate im Jahr in den USA und dann aber auch in anderen Orten dieser Welt verbringe.

00:01:26: Und die Tätigkeitsfelder, die sich damit verbinden, sind zum einen bin ich als Investor tätig, als Unternehmer.

00:01:32: Aber ich bin auch wildernd in Ihren Bereich.

00:01:35: Habe ich mich bewegt, indem ich eine kleine, aber sehr strammarschierende Medienkompanie vor einigen Jahren gegründet habe.

00:01:44: Und wo es uns darum geht, ein Angebot zu schaffen, das nicht stigmatisierend, nicht skandalisierend, aber wieder sehr substanzgetrieben ist.

00:01:51: Und das macht mir viel Freude.

00:01:52: Das klingt sehr interessant, um dem Laufe des Gesprächs, wenn wir sicherlich auch auf die Medienebene nochmal zu sprechen kommen.

00:01:58: Jetzt ist mir in der Vorbereitung zu unserem Gespräch auffällend, Sie sind, glaube ich, der Mensch mit den meisten Vornamen.

00:02:04: Ist das wirklich so oder ist das eine Ente?

00:02:07: Da sind ja auch ganz Franz Josefis, glaube ich, dabei, wenn ich das...

00:02:10: Ja, Franz Josef ist tatsächlich nicht da.

00:02:12: Er ist ein Franz, das stimmt sogar.

00:02:13: Es ist sogar Franz Josef dabei, aber in einem anderen Zusammenhang der Franz folgt auf Philipp und der Josef kommt ein bisschen später.

00:02:20: Also, ich könnte meine Eltern, glaube ich, heute noch zur Adoption freigeben für genau diesen,

00:02:25: für dieses... Für diesen Wust

00:02:26: an Vornamen, der dazu führt, dass ich bei jeder Einreise in irgendein anderes Land mildest ein fallhysterisches Gelächter auslöse und meistens meine Namen noch einmal vorlesen oder vortragen muss.

00:02:37: Die meisten sind es natürlich nicht mehr, Vater hatte noch mehr.

00:02:41: Es sind immer wieder Anekdoten damit verbunden, aber wir haben es auf KT heruntergekürzt.

00:02:46: dann kann ich ganz gut leben mittlerweile.

00:02:48: Ich weiß ja, dass vor allen Dingen auch in den USA alle Vornamen immer angegeben werden müssen, zumindest offiziell.

00:02:53: Ich weiß nicht, ob die Formulare das überhaupt hergeben.

00:02:56: Viel schlimmer

00:02:56: ist es, also ich hatte tatsächlich am Ende drei Ausweise in den USA, wo keiner mit dem anderen übereinstimmt.

00:03:01: Das führte zu wirklich teilweise wilden Dingen bis hin zu dem Umstand, dass ich irgendwann mal von der Steuerbehörde drei Bescheide bekommen habe.

00:03:08: Aber wo es wirklich spannend wird, ist es gibt neue technologische Geräte, um bei Inlandsflügen, aber auch wenn man aus den USA heraus will.

00:03:15: Seinem Boardingpass, nein, seinem Pass mittlerweile auf das Gerät legt und der Pass muss mit dem Boardingpass beeinstimmen.

00:03:21: Was bei mir natürlich nie geht, es gibt keinen Boardingpass, wo diese ganzen Namen drauf sind.

00:03:24: Daraufhin habe ich, ich bin doppelter Staatsbürger, seit jeher auch Österreicher, wir haben jetzt beschlossen, noch mit dem österreichischen Pass unterwegs zu sein, weil da zumindest den ganzen Titel wechseln, was schon mal gut ist.

00:03:33: Darf ich Ihnen noch eine andere persönliche Frage schädeln?

00:03:36: Sie sind in München geboren, das ist korrekt.

00:03:38: In München ist man, ja, wenn man in München geboren ist, in aller Regel eher blauer als roter.

00:03:43: Zumindest habe ich das mal gehört.

00:03:45: Das heißt, ihr fußballerisches Herz ist es erblau, das ist er rot und das ist gar nichts von beiden.

00:03:49: Ich bin in München geboren, weil meine Mutter auf dem Weg nach Franken es nicht erwarten konnte.

00:03:54: Und das wäre ich wahrscheinlich in Franken in der Nähe von Kulmach geboren.

00:03:57: Das hat mich irgendwann zum leidensfähigen Klubberer gemacht.

00:03:59: Also ich war nie wirklich vor dieser Entscheidung gestanden.

00:04:02: Wenn es um internationale Erfolge geht, freue ich mich mit den Bayern und ansonsten bin ich ein.

00:04:07: Ja, sagen wir ein begeisterter Fußball-Zuseher, aber jetzt nicht einer, der seinen Herz zog, heißt jetzt Zwingenvereine voran.

00:04:13: Kann man, wenn man so prominent ist wie sie, kann man tatsächlich Fußballspiele besuchen, kann man ins Kino gehen, kann man ganz normal zum Abendessen gehen?

00:04:22: oder ist das immer mit Anstrengung oder mit Aufwand verbunden?

00:04:26: oder ist man dann nie alleine, weil immer jemand irgendwie, ach, können Selfie machen oder schön, dass sie wieder da sind oder wie fühlt sich das an?

00:04:34: Gut, das ist natürlich ein Ausfluss seiner Entscheidung, die vor vielen Jahren mal getroffen hatte, als ich ins öffentliche Leben ging.

00:04:40: Aber das hat sie sehr normalisiert, Gott sei Dank.

00:04:42: Ich war ja lange weg.

00:04:43: Und wenn man im Grunde jetzt ohne, das lehrt eine das Leben, ohne Eitelkeiten auftritt und manchen Leuten springt da die Wichtigkeit aus dem Gesicht, selbst wenn sie zwanzig Jahren aus dem Geschäft bereit sind, immer auch mit dem Ziel eine gewisse Aufmerksamkeit zu bekommen.

00:04:57: Und da bin ich ganz froh, dass das nicht mehr der Fall ist und von daher ist der Kinobesuch und der Restaurantbesuch so normal lieber jedem anderen.

00:05:04: Okay, da freut mich natürlich zu hören.

00:05:06: Jetzt habe ich ebenfalls in der Recherche und ich gebe gerne zu, ich hatte das nicht mehr auf dem Schirm, dass Sie vor dem Verteidigungsministerium tatsächlich Wirtschaft und auch Technologienminister gegen eine spannende

00:05:16: Zeit.

00:05:16: Das ist wohl sehr wahr und ich würde sehr gerne mit Ihnen auch nochmal auf diese spannende Zeit zurückkommen.

00:05:21: Das war im Jahr zwei Tausendzehnt, glaube ich.

00:05:23: Es

00:05:24: war im Jahr zwei Tausendneuen wirklich noch sozusagen in den Ausläufern der Finanz- und Wirtschaftskrise, wo wir damals harte Entscheidungen zu treffen hatten und wo es darum ging.

00:05:34: Das Land, aber Unternehmen mit Wahrheiten zu konfrontieren, mit denen sich Politiksschaffende damals sehr schwer getan haben.

00:05:39: Also

00:05:39: ich kann mich erinnern, ich hatte vor einigen Wochen per Steinbrück zu Gast in meinem Podcast.

00:05:43: Und ich habe ihn auch gefragt, sagen Sie mal, Herr Steinbrück, wie nah waren wir denn an der Kernschmelze zum damaligen Zeitpunkt?

00:05:50: Wir alle haben noch dieses brunte Interview-Situationen vor Augen, als er mit Angela Merkel vor die Kameras geht.

00:05:56: Ich glaube, die beiden waren komplett ahnungslos.

00:05:58: Also, das ist zumindest meine Einschätzung.

00:06:00: Wir waren damals in einem Kabinett, wir sind auf Sicht gefahren.

00:06:02: Ich glaube, alles andere wäre wirklich eine Verschönung der damaligen Tatsachen.

00:06:08: Es war eine Gewalt oder eine Buch, die eingetreten war, die man so noch nicht kannte und wo einem wirklich auch in meinen Augen geht.

00:06:15: tiefe der Erkenntnis fehlte, wie es tatsächlich zu dieser Lage kam und wie man aus der herauskommt.

00:06:21: Man hat trotzdem richtig kommuniziert.

00:06:23: Ich möchte jetzt da gar nicht kritisch sein.

00:06:24: Es war richtig auch diesen Optimismus da, was zu verbreiten und das Land jetzt nicht in eine emotionale Lage hinein zu manövrieren, aus dem man im Zweifel nicht mehr rausgekommen wäre.

00:06:35: Aber ich glaube, wenn die beiden sich ehrlich machten, müssen sie sagen, das war verdammt hohes Risiko.

00:06:39: Ich baue jetzt ein Spannungsbogen auf für alle, die die Antwort von Per Steinbrück einfach nachhören.

00:06:44: in mein podcast geht aber in ihren richtung die sie gerade geschildert haben und natürlich schon auch spannend weil viele der markteilnehmer heute das gar nicht mehr wirklich wissen.

00:06:52: also es gibt portfolio manager die in london arbeiten.

00:06:55: die haben noch nie ein bärenmarkt erlebt in dieser ausführung wie wir sie damals gesehen haben.

00:07:00: Ich

00:07:01: glaube, es wäre an Reike wichtig, diese Jahre auch zumal in dieser Zeit jetzt einmal wieder zu studieren.

00:07:07: Und ich bin bei Ihnen.

00:07:08: Für viele waren die letzten Jahre eine einzige Rallye, die nur eine Richtung kannte.

00:07:13: Und ins Szenarien zu denken, ist glaube ich nicht falsch.

00:07:16: Nun, wir versuchen das ja immer.

00:07:18: Also wenn wir sagen, wir schauen die Banken genau an, dass die Eigenkapital vorhast.

00:07:21: Wir barf ihn in Deutschland und die EZB, die gucken sich Banken an, dann gibt es diese Stresstests, die gemacht werden.

00:07:27: Meine persönliche Einschätzung, wir sind ja unter uns.

00:07:30: Ich glaube, dass die bei Weitem nicht ausreichend sind, um die tatsächlich Tragweite von so Finanzinstituten auch zu überschauen.

00:07:36: Es ist richtig, auf der anderen Seite muss man natürlich aufpassen, dass man nicht in einen so typisch deutschen Reflex verfällt, der in einer gerade zumanischen Regulierungsboot dann mündet.

00:07:45: Also, da ist schon eine Gratwanderung zu vollziehen, weil wir sind natürlich auch Meister darin, uns die Beine selbst zu fesseln und die internationale Wettbewerbsfähigkeit damit immer wieder mit irgendwelchen Barrieren und Mauern zu versehen.

00:07:57: Also, vor dem Hintergrund ist einiger... geschehen.

00:08:00: Es wurden noch Konsequenzen gezogen aus den Erkenntnissen der damalige Zeit.

00:08:03: Mir geht es nur darum, dass man... nicht eine Gefühlslage entwickelt, insbesondere im professionellen Bereich, im Investorenbereich, wo man glaubt, es gibt eigentlich kaum noch eine andere Fahrtrichtung.

00:08:13: Und da ist mir das Erinnerungsvermögen manchmal auch ein bisschen Blast ausgestaltet.

00:08:19: Ich glaube, es geht übrigens auch an sehr vielen Marktteilnehmern so.

00:08:22: Man ist ja immer ein bisschen in der Zückmühle, wenn man Teil des Systems ist, dann auch irgendwie sich selbst, sagen wir mal, regulieren zu wollen, jetzt nicht in Form von Regulatorik, sondern einfach auch, es muss ja nicht jetzt auf das letzte Prozentpunktchen... und immer die volle Fahrt voraus.

00:08:36: Und das ist einfach wahnsinnig schwierig, wenn man sich in dieser Branche bewegt.

00:08:40: Und Sie haben ja gesagt, dass Sie auch als Investor unterwegs sind, da kennen Sie wahrscheinlich diese Geschichten.

00:08:45: Man investiert, um Gewinne zu machen.

00:08:47: Das ist Teil des Kapitalismus.

00:08:49: Die Frage ist, ob man das auch in diesen Extremen dann an der einen oder anderen Stelle tun

00:08:53: muss.

00:08:53: Ja, man investiert, sagen wir ja, auch in eine Haltung eines Unternehmers.

00:08:57: Und da stellt sich dann schon die Frage, sucht man sich lediglich diejenigen, die das Maximale... wie man das oft in den USA erlebt, an anderen Teilen gesarbeitet, oder das Gegenbeispiel in die zelebrierte Vorsicht, wie wir es oft bei uns haben, also unsere Risikovermeidungsobsession ist ja legendär in unserem Land.

00:09:16: Und wir uns nicht wundern, müssen das beispielsweise ein Growth-Stage bei uns als solches nie betbewerbsfähig stattfindet, weil wir einfach uns scheuen vor der Gefahr des Scheiters.

00:09:25: Und dieses Wechselspiel ist eines, wo ich mir dann sehr, sehr genau anschaue, bringen die Protagonisten die besten Teile von beiden Denkschulen mit.

00:09:34: Also ich glaube, dass man tatsächlich natürlich einen Aspekt vorsichtweiten lassen muss und gleichzeitig aber uns in diesem Land mehr Risiko gestatten müssen.

00:09:43: Also das zeige ich jetzt mit Blick auf Investitionen, die ich jetzt im europäischen oder im deutschen Raum vornehme.

00:09:48: Und der Umkehrung heißt es natürlich auch in den USA, muss man immer wieder sehr darauf achten, was einen in den strahlendsten Worten und in den buntesten Bildern gezeichnet wird und was am Ende oftmals dann einfach auch der Substanz ermangelt.

00:10:01: dass es auch ganz wichtig ist, den Menschen hinter dem Unternehmen vor dem Unternehmen ein bisschen kennenzulernen, damit man auch einschätzen kann, wie tickt der Mensch oder wie ticken die Menschen, die dieses Unternehmen entweder kunden oder führen oder was auch immer tun wollen.

00:10:14: Wie macht man das?

00:10:15: Ist es Bauch?

00:10:16: Ist es Erfahrung?

00:10:18: Oder ist es eine Kombination aus vielem?

00:10:19: Die

00:10:20: Kombination auf eine aus einigen Bestandteilen ist insbesondere auch die Art und Weise, wie man diese Menschen kennenlernt.

00:10:26: Also beginnt schon einmal damit, dass man diese Menschen kennenlernt und sich nicht nur darauf verlässt, dass einem jemand einen Arztschlag gibt und man darauf vertraut, dass er sagt, dieser Freund oder Bekannte ist ein guter Investor mit einer tollen Dowdilligence-Abteilung dahinter.

00:10:39: Das wird schon funktionieren.

00:10:40: Das reicht mir nicht.

00:10:41: Sondern ich bin dann sehr schnell daran, Interessiert, diese Menschen kennenzulernen, die mit einer Idee oder mit einem Unternehmen bereits auf dem Markt sind oder auf den Markt wollen, mit Early-Stage bin ich vorsichtig, aber die bereits ein Tabel dort unterwegs sind.

00:10:53: Und dann interessiert mich oft erst mal ihre Geschichte des Scheiterns.

00:10:55: Jeder Unternehmer hat irgendwo ein Element des Scheiterns.

00:10:59: Wenn mir das jemand von vornherein verneint und verweigert oder das Gefühl vermittelt, denkt über diesen Umstand gar nicht mal nach, würde ich mal sagen, zu neun neunzig Prozent wird dann mein Entscheidung negativ ausfallen.

00:11:11: Also ich will schon wissen, wissen, wie jemand aufgestellt ist, der zwar mit einem sehr positiven Pitchdenken an etwas herangeht, aber gleichzeitig aber auch in der Lage ist, da gewissen Stürmenstand zu halten, die es bei einem jungen Unternehmen immer geben wird.

00:11:27: Und das ist etwas, was sich dann übersetzt in meinen Glauben an eine Person und ein Unternehmen und das mündet dann möglicherweise in ein Investment.

00:11:35: Also die Persönlichkeit spielt eine maßgebliche Rolle.

00:11:39: Und ich glaube, dass das selbst das ist, was der Zeitgut tut, übrigens.

00:11:42: Wenn ich mich an, sagen wir jetzt mal, alte Zeiten erinnere, wo ein Land wird, ein Kredit für einen neuen Traktor braucht, um jetzt, also mal irgendein Beispiel zu nehmen.

00:11:51: Der ist dann in die Barkasse oder Volksbank marschiert, der hat gesagt, hier passen wir auf.

00:11:55: Alois, ich brauch einen Kredit, um einen neuen Traktor zu kaufen.

00:11:59: Wir kennen uns, wir sind zusammen im Schützenverein, wir sind zusammen hier und zusammen dort.

00:12:02: Du kennst auch meinen Betrieb.

00:12:04: Und dann hat sich der Bankmitarbeiter, hat sich Gummistiefel in den Kofferraum gelegt.

00:12:08: ist zu dem Landwirt gefahren und hat einfach mal mit Stimmung aufgenommen.

00:12:13: Wie fleißig ist die Familie, verarbeitet alles.

00:12:15: und also so sagen.

00:12:16: Heute müssen da ja bestes Cases geschrieben werden und was ich damit sagen will ist, der Weg zu Kapital ist natürlich für viele Leute auch wirklich unsagbar schwer geworden.

00:12:26: Und ich glaube nicht, dass das eine gute und richtige Entwicklung ist.

00:12:28: Insbesondere wenn wir so bei diesem Beispiel bleiben, das ich gerade genannt habe, das kommt ja hundertfach vor.

00:12:32: Ja sicher, man kann die Geschichte aber auch noch weiterspinnen.

00:12:34: Es wird den Moment geben, wo dieser Landwirt oder ein anderer, der nach einem entsprechenden Kredit gefragt hatte, vielleicht mal seine gute Idee nicht durchsetzen kann, an die Wand fährt.

00:12:44: Und dann kann man sich in unserem Land relativ sicher sein, dass die zweite Chance jetzt nicht mit Euphorie begleitet wird.

00:12:50: Und das ist noch die mildeste Formulierung, die man dazu einfällt.

00:12:52: In Zweifel bekommt er den zweiten Kredit nicht.

00:12:54: Bescheiden dann der Schufa!

00:12:55: Schon mal in Deutschland bereits an der Schufa und auch an der Begeisterung des Weifelkreditvergebenen, der im Gegenüber sitzt, der wiederum scheitert an den eigenen Maßgaben oder ist Opfer der eigenen Maßgaben, die sein Haus dann wiederum vorgibt.

00:13:07: Also es sind ja viele Faktoren, die dahinein ragen.

00:13:10: Der Aspekt, dass jemand, der mal etwas wagt und eine Idee voranbringt und mit dieser Idee scheitert, nicht nur in Deutschland die Heme und die Schadenfeuer seiner Mitmenschen gewonnen haben könnte, sondern etwas ganz anderes, nämlich Erfahrung.

00:13:24: Und diese Erfahrung, die Basis dann ist, um die nächste Unternehmung im Zweifel sehr viel besser zu machen, als jemand, der sich nur stromhingenförmig durch diese Welt bewegt, ist etwas, was in vielen Köpfen bei uns noch nicht eingekommen ist.

00:13:36: Und was die Wettbewerbsfähigkeit vieler anderer, die selbst in unserer unmittelbaren Nähe in Europa von uns ihre Standorte haben, einfach auf ein ganz anderes Niveau hebt.

00:13:47: Und da muss sie in unserem Denken was verändern, und zwar maßgeblich.

00:13:50: Und dieses Dummdenken ist etwas, was sich auf alle Lebensbereiche übersetzen lässt, bis hin in die Politik.

00:13:55: Und aus diesen goldenen Knoten müssen wir durchschlagen, weil sonst können wir viel von einem Aufstieg träumen, den wir wahrscheinlich allein schon wegen dieser Festung noch nicht hinbekommen werden.

00:14:04: Nun, ich habe sogar manchmal den Eindruck, dass man ausschließlich ganz kreditwürdig gilt, wenn man gar keinen Kredit braucht.

00:14:10: Ja, da ist was dran.

00:14:11: Und das ist ja schon auf eine skurrile Situation.

00:14:14: Klar, uns ist allen auf, die sich in dieser Branche bewegen.

00:14:16: Deswegen sind die, warum es so ist, ist einem klar.

00:14:19: Aber warum es so sein muss, das ist halt so ein bisschen die Sache, die einen dann schon auf meinem Kopf schütteln lässt, muss man ehrlich sagen.

00:14:25: Durchaus.

00:14:25: Und also da ist zwingender Handlungsbedarf gegeben, aber eben auch im Neudeutschen sagt man jetzt ein Change of Mindset.

00:14:32: Und da spielen noch ganz andere Faktoren an der Rolle, aber der ist nicht unmaßgeblich.

00:14:36: Ja oder nein, Antwort?

00:14:38: Grimel es hin?

00:14:39: Ja.

00:14:39: Nicht zwingend bald.

00:14:41: Ich habe jetzt fast mit dein gerechnet, aber jetzt bin ich gar nicht vorbereitet auf die Folgefrage.

00:14:45: Doch... Die Folge frage ich, wie lang dauert das?

00:14:47: Zu lag?

00:14:48: Aber wir kriegen es hin.

00:14:50: Nein, ich bin in der Bolle gefärbter Optimist, aber jetzt auch nicht nur basierend auf irgendwelchen herren Träumen oder Illusionen.

00:14:58: Ich gebe Ihnen einen andersbezogenen oder einen Grund, der ich glaube kaum besser sein könnte, wo man aber aufpassen muss, dass man nicht zum Zyniker wird.

00:15:07: Vor dem Hintergrund, welcher Weltlage Europa gerade ausgeliefert ist, schrägstrich Deutschland als stärkste Volkswirtschaft dieses Europas.

00:15:13: bleibt uns gar nichts anderes übrig, als unseren Arsch hochzubekommen.

00:15:16: Und zwar zügig, weil wir sonst von den Fliehkräften einfach gegen die Wand gedrückt werden oder zwischen den Wänden hin und her geschmissen werden, also um das Bild zu gebrauchen.

00:15:26: Und das gilt für nahezu jeden Bereich.

00:15:28: Jetzt kann man sagen, man hofft, dass die Politik die entsprechende Stellschrauben und das Unbord des letzten Jahrzehnten Rahmenbedingungen schafft oder nachdreht.

00:15:37: Das wird aber nicht genügend.

00:15:38: Es muss sich tatsächlich etwas in der Bevölkerung verändern.

00:15:41: Und es muss bei uns ein Umdenken stattfinden in einer Form, die diese Dinge mit aufgreifen, über die wir gerade gesprochen haben.

00:15:47: Und ich glaube, dass die Notwendigkeit das tatsächlich entsprechend befördern wird.

00:15:52: Aber es bedarf Mutis und es bedarf in meinen Augen wirklich eines grundlegenden Umdenkens.

00:15:58: Und da sind wir aber rund jetzt hier in der Lage.

00:16:01: Nach dem zweiten Weltkrieg haben wir schon einmal bewiesen.

00:16:03: Und da haben wir auch nicht nur in die Hauptstädte geblickt.

00:16:05: Heute träumen wir ein Jahr mit dem Alenauer, aber das damals möglich.

00:16:08: Der Alenauer hat auch nicht nur kluge Sachen von mich gegeben, sondern es waren die Menschen, die es geschafft haben.

00:16:12: Dafür diskutieren

00:16:13: wir jetzt

00:16:13: über vier Tagesmochen und über Work-Live-Balance.

00:16:17: Toll.

00:16:18: Also ich glaube, damit wird man sich im Zweifel den Kräften, dem wir jetzt ausgesetzt sind, nicht erlernen können.

00:16:24: Ja, ich glaube, wir sprechen sehr, sehr häufig über First World Problems.

00:16:27: in der Tat.

00:16:28: Ich bin manchmal ein bisschen schwanger, ob es uns erst noch schlechter gehen muss, damit wir wirklich... Was so schlecht geht es uns ja übrigens nicht, nur mal fürs Protokoll, ne?

00:16:35: Also, neun, neun, neun Prozent der Menschen auf der Welt würden gern so leben wie wir.

00:16:38: Ich frage mich, müssen wir erst noch mal ein Stückchen absacken, um dann auch wirklich zu sehen, dass die Arschbackel zusammengekliffen werden müssen?

00:16:45: Auf der anderen Seite treffe ich schon sehr viele Menschen, auch die deutlich jünger sind als ich, die strahlenden und fassbar... Ich bin dann immer fast überrascht, weil manchmal finde ich mich selbst in dieser Negativ-Ecke wieder.

00:16:56: Und ich weiß jetzt gar nicht genau, warum das unbedingt so sein muss, weil mir geht es prächtig und die Leute, mit denen ich zu tun habe, geht es in aller Regel sehr gut.

00:17:03: Also es ist schon auch viel Kraft in diesem Land und auch in der Gesellschaft.

00:17:06: Ist es,

00:17:06: aber es ist auch viel Kraft in diesem Land, in der Reike sich in eine Nörgel, Jammer und Zeterschleife hineinzubegeben, sich davon anstecken zu lassen und bis hat was Infektiöses?

00:17:15: Und zumal in unserer Generation ist das weit ausgebreitet oder verbreitet.

00:17:20: Und die jüngere Generation gibt man in der Hinsicht durchaus Hoffnung.

00:17:23: Also ich neige nicht den Satz zu, es muss uns erst noch schlechter gehen, weil dann halten wir irgendwie dieses Halbniveau bis hin zu dem Punkt, wo es einem wirklich schlechter ginge.

00:17:34: Und das ist im Grunde nur ein Verwalten der Missstände in unserem Land.

00:17:38: Und deswegen muss der Impuls jetzt an dieser Stelle gesetzt werden.

00:17:42: Also ich werde auch immer wieder von vielen Freunden und Bekannten, die auf unser Land von Außenblicken gefragt, geht es euch wirklich noch nicht schlecht genug?

00:17:51: Das ist eine Frage, die ich immer wieder bekomme.

00:17:53: Ich mache sie mir nicht zu eigen, aber es ist natürlich eine Reflexion dessen, wie man uns betrachtet.

00:17:58: Und die große Bewunderung, die uns einmal entgegen gebracht wurde, hat sich ein Stück weit relativiert.

00:18:03: Das ist in der Tat so.

00:18:04: Auch ich komme einigermaßen rum, nicht so viel wie Sie.

00:18:07: Aber das ist schon spannend, dass die Menschen die Erfahrungen machen, die uns in unserem Land besuchen, dass die Bahn problematisch ist, dass ein Taxi nicht da ist.

00:18:14: Also ganz Alltagsdingel, wie Sie sagen, das war vor zehn Jahren das letzte Mal in Deutschland, da war das anders.

00:18:18: Das ist schon etwas... Aber gut, wir sagen gemeinsam, es steckt viel in diesem Land.

00:18:22: Es gibt eine Menge Optimismus, auch in der Nachfolgegeneration.

00:18:26: Und jetzt müssen wir versuchen, eben auch aus dieser Nörglecke mal rauszukommen.

00:18:29: Und wenn wir zwar uns das schon mal in die Hand versprechen, das zu tun, sind wir zumindest nicht... weniger geworden.

00:18:34: Lassen Sie mich ganz kurz zu einem Thema kommen, über das ich gestolpert bin.

00:18:38: Seit einiger Zeit haben Sie gemeinsam mit Gregor Gizzi ein Podcast-Format, glaube ich auch ist das.

00:18:43: Was mich natürlich total interessiert ist, wie kam das?

00:18:46: zustande.

00:18:46: Also wir hatten sich so gefunden, dass man gesagt hat, wir können sowas gemeinsam machen.

00:18:51: Man muss ja auch ein bisschen Spaß machen, wenn man sowas macht.

00:18:53: Und ich glaube, wir alle wissen, dass Gregor Gizzi ein Vorhagen der Rhetoriker mit tollen Reden und Ansprachen und auch Meinungen ist und der Meinung stark auch ist.

00:19:01: Passte das von Anfang an zusammen?

00:19:03: oder nehmen Sie uns doch nur mit, wie kam das?

00:19:05: Das kam so zustande, dass als ich nach Deutschland zurückkehrte und einer der Gründe, warum ich zurückkehrte, war, dass ich einfach zunehmend besorgt, aber auch verstört war über die Entwicklung, die die USA genommen hat.

00:19:15: hatte im gesellschaftlichen nicht mehr gegebenen Zusammenhalt und wo sich die Tunnelität in einer Weise verschärft hatte, dass es einem Angst und Wange wurde.

00:19:24: Darf ich Zwischenfrage darzustellen?

00:19:26: Haben Sie das wirklich so empfunden, so erlebt?

00:19:29: Und

00:19:30: bis in die Familien hinein.

00:19:31: Also das ist etwas... Weil man

00:19:33: hört das ja oft.

00:19:34: Da kann

00:19:34: man mit Händen greifen dort.

00:19:36: Und das war in den zehn Jahren, die ich dort, was mehr als zehn Jahre, dort gelebt habe, war das wirklich eine abschüssige Gerade, auf der man sich eher mit Schmierseife befunden hatte.

00:19:44: So, dann bin ich nach Europa zurück, bin in der Hoffnung, dass dort mehr Stabilität in dieser Insicht herrscht, um festzustellen, dass die Tonalität in unserem Lande sich genau auf derselben... auf derselben... Linie befand.

00:19:56: Und meine Idee war, dane sich gesagt habe, es muss doch ein Gegenangebot geben.

00:20:00: Es muss ein Gegenangebot geben, wo der gegenüber respektvoll behandelt wird, egal welche politische Ansicht oder welche weltanschauliche Ansicht er jetzt vertritt, dass man sich zuhört, dass man tatsächlich sich mit Neugierde, mit Interesse begegnet, dass man auch mal auf der Grundlage von I agree to disagree oder we agree to disagree zu einem, zu einem Gespräch kommt, wo man am Ende sagt, ich habe sogar was gelernt.

00:20:24: und bin auch bereit, bei meiner eigenen Überzeugung in Frage zu stellen oder zu hinterfragen.

00:20:28: So, dann haben wir gedacht, wie kann man das machen?

00:20:30: Jetzt sind diese Podcast-Formate natürlich aus dem Boden geschossen in dieser Zeit.

00:20:33: Und ich habe immer gesagt, ich brauche dafür einen Partner, der vordergründig vom anderen Planeten kommt, wo einfach erstmal alles objektiv, nein objektiv ist das falsche Wort, aber von außen betrachtet erstmal widersprüchlich erscheint.

00:20:44: Und

00:20:45: das begründet zumindest schon mal meine Frage und die Berechtigung bei einer Frage.

00:20:48: So, und dann habe ich mir eine Liste gemacht und habe ja mit meinem Team in der Kompanie damals eine Liste gemacht.

00:20:53: wieder Poptic Reogyzi auf, den ich immer geschätzt habe, aber unsere Meinungen waren diametral auseinander, aber wir mochten uns immer.

00:20:59: Dann habe ich ihn angesprochen und dann habe ich mit ihm in Berlin getroffen, habe gefragt, ob er Lust hätte, ein Podcast mit mir zu machen, mit der Maßgabe, dass man humorvoll, respektvoll sich begegnet und gleichzeitig über die großen Themen dieser Welt aber auch mal über sehr persönliche Themen entspricht.

00:21:16: Jetzt ist er jetzt nicht unbedingt jemand, der jedem Mikrofon proaktiv aus dem Weg geht, hatte aber keine Ahnung, was ein Podcast ist.

00:21:23: Also er sagte bis heute Podcast.

00:21:25: Er hat auch diesen Begriff entsprechend etabliert, glaube ich, in der Szene.

00:21:28: Und dann haben wir begonnen und haben die ersten zwei Aufnahmen gemacht und gesagt haben, sie sind mir erst mal so dummies.

00:21:33: Und es hat so gut funktioniert.

00:21:34: So, ihr seid dann die Nebenbegleich, das probieren wir jetzt.

00:21:36: Und machen das jetzt für eine halbe Jahr, haben rausverkaufte Live-Shows, haben einen Spiegel-Besteller draus gemacht.

00:21:42: Und ich sage das jetzt nicht, um irgendwie hier fürchterlich anzugeben, sondern ich sage es deswegen, dass das Konzept eben doch auf furchtbarem Boden fällt.

00:21:49: Am Anfang hat uns jeder gesagt, interessiert keine Sau.

00:21:51: Die wollen den Streit, ihr nennt den Podcast Gizzy gegen Gutenberg.

00:21:54: Wo ist denn das gegen?

00:21:55: Ihr behandelt euch nett, ihr duzt euch.

00:21:57: Ihr trinkt eine Flasche Wein in Zweifel, wenn ihr die am Abend aufnimmt, auch noch zusammen.

00:22:01: Und das Gegenkalt ist der Fall.

00:22:02: Und wir haben Zuhörer und Zuschauer zwischen eighteen und achtundachtzig und aus dem besannten breiten politischen Spektrum.

00:22:08: Und das gibt man auch nur.

00:22:09: Also, einfach allein der Umstand, dass es auch so viel Widerhalt stößt.

00:22:12: Und deswegen, glaube ich, hat sich das Projekt gelohnt.

00:22:15: Und jetzt kommen ein paar neue Podcasts, die in die Gleicherrichtung stoßen.

00:22:18: Die werden jetzt in Kürze, wird das öffentlich gemacht.

00:22:21: Und das war so ein Triggerpoint, wo ich dachte, okay.

00:22:24: Es gibt in dieser Gesellschaft einen Bedarf, sich auch anders zu begeben.

00:22:33: Ich bin mir sehr sicher, dass er keine großen Probleme macht vor einem Mikrofon oder auch auf einer Bühne und auch vor Hunderten von Menschen dabei zu sein.

00:22:40: Wir kommen zum Ende des Gesprächs, lieber Theodor zu Gutenberg.

00:22:43: Vielen Dank für Ihre Zeit, auch für die Rückblick.

00:22:46: Ich glaube, dass das wichtig war, das nochmal aufzunehmen.

00:22:49: Aber auch das zu beleuchten, was Sie aktuell tun, war sehr spannend für mich und sicherlich auch für unsere Zuhörer.

00:22:55: Ich hoffe, wir treffen uns in den nächsten Monaten nochmal für ein Follow-up sozusagen und bedanke mich bei Ihnen für Ihre Zeit.

00:23:02: Danke Ihnen.

00:23:13: Eine Produktion

00:23:14: von Vorprofessionell.

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